Presseerklärung vom 14.03.2007

Presseerklärung zum 1. Treffen der Geschäftsführer(innen) der Zentren für Lehrerbildung vom 14.03.2007

Ein Gründungsboom ist in den letzten Monaten durch die Republik gegangen. Immer mehr Zentren für Lehrerbildung sind entstanden, die sich in vielfältiger Weise der Thematik Lehrerbildung annehmen. Vor dem Hintergrund sich ändernder Strukturen in der Lehrerausbildung sowohl im Studium wie im Vorbereitungsdienst sollen die Zentren als Querstrukturen innerhalb der Universitäten - oder gar als Strukturen phasenübergreifender Zusammenarbeit - Lehrerbildung neu organisieren, um nicht zu sagen: neu erfinden.

Gleichzeitig werden sich alle Zentren der Evaluation ihrer Arbeit stellen müssen. Daher ist es wichtig, dass sich die Zentren ihrer Zielsetzungen und Aufgaben versichern, um einen Konsens über ein Leitbild von einem "Zentrum für Lehrerbildung" zu entwickeln.

Leitbilder sind naturgemäß idealtypisch angelegt. Real existierende Institutionen weichen davon ab. Das liegt daran, dass sie lokale und regionale Besonderheiten berücksichtigen müssen und von Individuen ausgestaltet werden, die ihre besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse, Interessen und Vorerfahrungen einbringen. Über beide Aspekte – gemeinsame Grundlagen und lokale Besonderheiten – fand auf der ersten Bundestagung der Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer vom 12. bis zum 14. März 2007 ein Austausch statt. Gastgeber war im Alexander-von-Humboldt-Haus der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster das Zentrum für Lehrerbildung der Universität Münster.

Tagungsthemen

Die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer haben sich den unmittelbaren Reformaufgaben der Lehrerausbildung an den Universitäten in Deutschland gewidmet und dabei auf die Expertise von Gästen zurückgegriffen. Der Münsteraner Bildungspädagoge Prof. Terhart erläuterte in seinem Eröffnungsvortrag die Standards, an denen sich die Universitäten ausrichten müssen, um die Zentren für Lehrerbildungen zu sinnvollen und effektiven Querstrukturen innerhalb der Hochschulen auszubauen.

In mehreren Vorträgen verschafften sich die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer einen Überblick über den Stand der Reform der Lehramtsstudiums – insbesondere die Entwicklung von Bachelor- und Masterstudiengängen zur Lehrerbildung – in den verschiedenen Bundesländern. Vorgestellt wurden die Reformbemühungen in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg.

Detailfragen der neuen Lehrerausbildung waren Schwerpunkt  am zweiten Tag der Veranstaltung. Am Beispiel des Praxissemesters der Universität Jena wurden Chancen und Probleme der Integration innovativer Praxiselemente  diskutiert. Hinzu traten die Aspekte der Studierendenrekrutierung und -auswahl durch Assessments. Hierzu gab es zwei Beiträge, die insbesondere durch ihre Übertragbarkeit auf andere Standorte die Lehrerbildungsexperten interessierten.

Die Profilierung der Zentren für Lehrerbildung stand in den anderen Tagungsbeiträgen im Vordergrund, wobei das Spektrum von Einzelthemen wie z.B. "Förderunterricht" und Kooperationsmöglichkeiten bis hin zu einer vergleichenden Bestandsaufnahme der Situation der Lehrerbildungszentren reichte.

Beschlüsse

Die Zentren für Lehrerbildung haben sich darauf verständigt, die Netzadresse www.lehrerbildung.de zu einem Portal für die Zentren für Lehrerbildung in Deutschland auszugestalten. Das Projekt wurde bereits der Bundesbildungsministerin, Frau Dr. Schavan, angekündigt. Über die Webseite wollen sich nicht nur die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer vernetzen, sondern sie soll auch der grundlegenden Information zum Reformprozess in der Lehrerbildung dienen. Daher wird dort auch ein E-Mail-Verteiler geschaltet, in den sich Interessenten zum Thema Lehrerbildung anmelden können.

Ebenso wurde einmütig beschlossen, sich im jährlichen Turnus erneut zu treffen. Das nächste Bundestreffen der Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer wird im Frühjahr 2008 in Trier vom dortigen Zentrum für Lehrerbildung ausgerichtet.

Politische Diskussion um die Weiterentwicklung der Zentren für Lehrerbildung

Zum Abschluss der Tagung hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft durch das zuständige Mitglied des Hauptvorstandes, Dr. Andreas Keller, noch einen politischen Impuls gesetzt, der deutlich in Richtung einer Stärkung der Einrichtungen geht. So erwartet die Bildungsgewerkschaft, dass die Zentren mit der Steuerung der Mittel für die Lehrerausbildung an den Hochschulen beauftragt werden, und erhofft sich von dieser Maßnahme, dass die Fachbereiche effektiver auf die Ausbildungsbedürfnisse der zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer reagieren.